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Pathology/Cell and Tissue Damage
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Zell- und Gewebsschäden
Schäden der Zellorganellen
Viele pathologische Prozesse führen zu mehr oder weniger spezifischen Veränderungen einzelner Zellorganellen in bestimmten Zellpopulationen. Diese sind neben der Histologie und anatomischen Pathologie vielfach wegweisend bei der Diagnose und Beurteilung von Erkrankungen.
Zellkern
Unspezifische Reaktionen des Zellkerns auf Noxen
Kernschwellung
Kernpyknose - Kernschrumpfung durch Kondensation des Chromatins
Karyorrhexis - Kernfragmentierung
Karyolyse - Kernzerfall
Apoptose - Suizidprogramm der Zelle, ausgelöst durch Aktivierung des Fas-Ligand-Rezeptor-Weges oder Freisetzung von Cytochrom C aus den Mitochondrien -> morphologisch: Apoptosekörperchen
Kerneinschlüsse
Glykogen („Lochkerne“) - Z.B. bei Diabetes mellitus
Zytoplasma („Milchglaskerne“) - Z.B. beim papillären Schilddrüsenkarzinom
Viren („Eulenaugen“) - Einschluss von Virusmaterial, z.B. bei CMV-Infektion
Mehrkernige Riesenzellen - Sie entstehen durch Verschmelzung mehrerer Zellen oder bei inhibierter Zellteilung und kommen sowohl physiologisch als auch im Rahmen pathologischer Prozesse vor.
Physiologisch: Skelettmuskelzellen, Megakaryozyten, Osteoklasten, Trophoblast
Pathologisch:
Histiozytäre Zellen:
Fremdkörper-Riesenzellen - Typisch in Fremdkörpergranulomen, die Zellkerne sind in einem Haufen zusammengelagert
LANGHANS-Riesenzellen - In Tuberkulosegranulomen, die Kerne sind hufeisenförmig angeordnet
ANITSCHKOW-Riesenzellen - Bei rheumatischer Myokarditis
TOUTON-Riesenzelle - Schaumzellen, bei denen um eine kleine schaumfreie Insel mehrere Kerne ringförmig angeordnet sind, Vorkommen z.B. bei juveniler Xanthogranulomatose, siehe Abb.
Riesenzelle bei Epulis
Tumor-Riesenzellen:
REED-STERNBERG-Riesen-Zellen (Morbus HODGKIN)
Karzinom/Sarkom-Riesenzellen
Polymorphie - Zeichen der Malignität
thumb|Typische große intranukleäre Einschlußkörperchen mit klarem Halo bei CMV-Infektion der Niere. thumb|LANGHANS-Riesenzellen in einem Tbc-Granulom, transbronchiale Biopsie thumb|Fremdkörper-Riesenzellen bei Aspirationspneumonie, Autopsiepräparat, H&E.
thumb|Riesenzelle und diffuser Alveolarschaden bei SARS-Infektion. thumb|Riesenzelle mit intrazytoplasmischen inclusion bodies bei Masernpneumonie, Histopathologie.
Nukleolus
Vergrößerung
Zeichen eines erhöhten RNA-Umsatzes und damit Indikator für Aktivität, Proliferation oder Malignität der Zelle.
Veränderungen
Schalen-, Ring-, Schwammnukleolen
AgNOR - Versilberbare Nucleolus-Organisator-Regionen
Anzahl, Größe und Fläche geben Auskunft über Aktivität und Malignität
Glattes Endoplasmatisches Retikulum
Pathologische Veränderungen:
Feinvakuoläre Degeneration
Hyperplasie bei chronischer Detoxifikation, z.B. in der Leberzelle bei langjähriger Medikamenteneinnahme
Milchglaszellen bei Hepatitis B durch Ablagerung von HBs-Ag
Dilatation und Zisternenbildung bei zellulären Sekretionsstörungen
Rauhes Endoplasmatisches Retikulum
Vergrößerung bei gesteigerter und/oder gestörter Funktion (vakuoläre Degeneration), z.B. bei Fibroblastom (Fibroblastentumor) oder Osteogenesis imperfecta (Osteoblasten).
Golgi-Apparat
Sekretionsstörungen führen zu Dilatation und Einschlüssen
Verstärkte Sekretionsleistung führt zur Hyperplasie
Mitochondrien
Verkalkung (Mitochondrien sind Kalziumfänger)
Megamitochondrien bei chronisch-toxischen Einflüssen
Schwellung: Crista-Typ (reversibel) oder Matrixtyp (irreversibel)
Feingranuläre Degeneration, trübe Schwellung
Einschlüsse
In Onkozyten (geschwollene, eosinophile Zellen mit vergrößerten Mitochondrien)
Lysomen
Lysosomale Restkörperchen - Bestehen aus Ablagerungen von Lipofuszin (Alterspigment)
Lysosomale Defekte - CHEDIAK-HIGASHI, Morbus WHIPPLE
Lysosomale Speicherkrankheiten - Morbus POMPE, Morbus GAUCHER, Morbus NIEMANN-PICK
Zellmembran
Z.B. Verlust der Mikrovilli des Darmepithels bei Zöliakie.
Zytoplasma
Verschiedene Viren führen zu intrazytoplasmatischen Einschlusskörperchen, so z.B. Tollwutviren (Negri bodies).
thumb|Purkinje-Zelle des Kleinhirns mit zytoplasmatischen NEGRI bodies bei Tollwut, post mortem.
Degeneration
Fettige Degeneration
Mukoide Verquellung
Chondroide Metaplasie
Dystrophische Verkalkung
Metaplastische Ossifikation
Entzündungsreaktion
Fettablagerung
Intrazelluläre Verfettung
Fettkörnchenzellen, Schaumzellen (lipidbeladene Phagozyten)
Fettleber (nutritiv, metabolisch, toxisch, hypoxisch)
Degenerative Herzmuskelverfettung (Makro: Tigerfellzeichnung)
Nierenverfettung
Skelettmuskelverfettung (Muskeldystrophie)
Xanthome
Xanthelasmen am Auge
Extrazelluläre Verfettung
Lipomatosis cordis (alter Infarkt, nutritiv)
Adipositas
Größenzunahme der Adipozyten bei Überernährung
Tumore des Fettgewebes
Lipom (benigne)
Liposarkom (maligne)
Eiweißablagerungen
Amyloid
Amyloid bedeutet stärkeähnlich. Wie Stärke färbt es sich schwarz, wenn es mit Jodlösung (Lugol'sche Lösung) behandelt wird.
Eigenschaften: Extrazellulär, homogen, spezifisch anfärbbar mit Kongorot, Doppelbrechung im Polarisationsmikroskop: Apfelgrün-gelb, irreversibel wasserunlöslich, immer pathologisch (von den Corpora amylacea der Prostata abgesehen).
Diagnose: Bioptisch mit Kongorot und Polarisation.
Formen:
Generalisiert
Amyloid A - ein alpha-Globulin. Vorkommen bei chronischen Entzündungen und Tumoren sowie beim autosomal-rezessiv erblichen Mittelmeerfieber.
Amyloid L - Leichtkettenamyloid (Lambda > Kappa), entspricht dem Bence-Jones-Protein im Harn. Vorkommen bei Ig-Ketten produzierenden Lymphomen wie dem Plasmozytom oder beim Morbus Waldenström.
Lokalisiert
Hämodialyse-Amyloid - ein beta-Globulin.
ZNS-Amyloid - Amyloid-β-Peptid. Vorkommen beim Morbus ALZHEIMER.
thumb|Amyloidose eines Lymphknotens, harte Konsistenz, beim Schneiden wachsartig. thumb|Links: Schwarzfärbung eines Amyloidreichen Lymphknotens durch Lugolsche Lösung, rechts ebenfalls behandeltes Amyloidfreies Myometrium zum Vergleich. thumb|Ausgeprägte Amyloidablagerungen (homogen rosa) in einem Lymphknoten, H&E.
thumb|Amyloidablagerungen in den Gefäßwänden, H&E. thumb|Lymphknotenamyloidose, Anfärbung des Amyloids mit Kongorot. thumb|Typische apfelgrün-gelbe Doppelbrechung im Polarisationsmikroskop.
thumb|Wattebauschähnliche extrazelluläre Amyloid-Plaques bei Morbus ALZHEIMER, Silber-Färbung.
Fibrinoid
Eigenschaften: Extrazellulär, homogen, vorkommen bei Autoimmunerkrankungen (z.B. fibrinoide Nekrose in subkutanen Rheumaknötchen).
Hyalin
Eigenschaften: Milchglasartig, homogen, eosinophil, Protein und MPS.
Formen:
Intrazellulär
MALLORY-bodies („Alkoholisches Hyalin“ in Hepatozyten bei alkoholischer Hepatitis, bestehend aus mehr oider weniger abgebauten Keratinfilamenten)
Russelkörperchen (Plasmazellen bei chronischer Entzündung)
Extrazellulär
Bindegewebiges H. : Zuckergußmilz, Leberkapsel, hyaline Pleuraplaques
Vaskuläres Hyalin : Diabetes mellitus, Hypertension
Councilman-bodies : Apoptotische Hepatozyten bei Virushepatitis
Pulmonale hyaline Membranen : ARDS, Beatmung, Frühgeborene
Hyaline Zylinder : Eiweißzylinder im Urin (TAM-HORSFALL-Protein)
Hyaline Thromben : Endotoxinschock
Pigmentablagerungen
Exogene Pigmente
Tätowierungepigment (Kohle, Tusche)
Anthrakose der Lunge (Kohlenstaub, Ruß), unschädlich
Anthrakosilikose der Lunge (Quarzstaub/Siliziumoxid SiO2), toxisch
Saturnismus (chronische Bleivergiftung)
Argyrismus (chronische Silbervergiftung)
Endogene Pigmente
Häm- und Hämoglobinderivate
Hämosiderin - Vitale Reaktion, intrazytoplasmatisch, eisenhaltig, pyrrolfrei, gelbbraun, Vorkommen z.B.: in Herzfehlerzellen, bei Transfusions-Hämosiderose, Hämochromatose
Hämatin - Entstehung: Hb + HCl, schwarz-braun, Bsp.: Kaffeesatzerbrechen, Teerstuhl bei oberer GI-Blutung
Hämatoidin = Indirektes Bilirubin - Entsteht ohne vitale Reaktion, extrazellulär, eisenfrei, pyrrolhaltig, gelb-orange, Bsp.: Bluterguss, Ikterus, Kernikterus
Hämatozoidin - Malariapigment in Kupfer-Stern-Zellen, schwarz-braun-grau
Porphyrin (Häm-Vorstufen) - Einlagerung in Haut und innere Organe, Bsp.: Porphyrie
Hämoglobinzylinder im Urin - Bsp.: Transfusionszwischenfall
Myoglobinzylinder im Urin - Bsp.: Crash-Niere
Phenylalaninstoffwechsel
Überblick über die Biochemie des Phenylalanin- bzw. Tyrosinstoffwechsels:
.-> Homogentisat -3-> ... -> Acetoacetat + Fumarat
|
Phenylpyruvat <- Phenylalanin -1-> Tyrosin -2-> L-Dopa -> Dopamin -> Noradrenalin -> Adrenalin
u.a. toxische | |
Metabolite V V
T3/T4 Melanin
1.: Phenylalaninhydroxylase (PAH)
2.: Tyrosinase
3.: Homogentisatdioxidase
Melanozyten versorgen, stimuliert durch MSH, die Keratinozyten über ihre Fortsätze mit Melanin. UV-Licht oxidiert das Melanin und aktiviert die Tyrosinase.
Hypopigmentierung:
Phenylketonurie : Phenylalaninhydroxylase-Mangel
Albinismus : Tyrosinase-Defekt
Vitiligo : Fehlen von Melanozyten
Hyperpigmentierung:
Morbus ADDISON : Hyperpigmentierung (NNR↓ -> CRH↑ -> POMC↑ -> ACTH↑, α-MSH↑, β-Endorphin↑)
Chloasma uterinum : hormonell
Sommersprossen (Ephelides) : Melaninreiche Flecken
Sonstiges:
Alkaptonurie : Homogentisatdioxidase-Mangel (schwarz-brauner Urin, Einlagerung von schwarzem Homogentisat in Knorpel und Bindegewebe)
Tumoren:
Naevuszellnaevus
Malignes Melanom
thumb|Melanom-Metastase im Lymphknoten.
Verkalkung
Physiologische Verkalkung
An der Knorpel-Knochen-Grenze
Dystrophische Verkalkung
Normaler Ca-P-Stoffwechsel, Zellschäden, Calcium reichert sich in saurem Gewebe an und fällt bei intermittierend besserer Durchblutung und pH-Anstieg aus. Z.T. ohne Einschaltung der Mitochondrien (degeneriertes Gewebe), z.T. mit (nekrotisches Gewebe mit Restdurchblutung).
Bsp.: Verkalkte Tuberkulome, Psammomkörperchen, Atherosklerose, Kalzium-Nierensteine.
thumb|Dystrophische Verkalkung (violett) bei Lymphknotenamyloidose, H&E.
Metastatische Verkalkung
Hyperkalzämie, keine Zellschäden (bzw. erst sekundär), Ablagerung in Säure-abgebenden Organen (Lunge H2CO3, Niere Harnsäure, Magen HCl).
Bsp.: Tuffsteinlunge, Nierenkalzinose
Idiopathische Verkalkung
Kalzium-Hydroxylapatit - Degenerativ, lokalisiert am geschädigten Bindegewebe, nicht doppelbrechend, Bsp.: Tendinosus calcanea des M. supraspinatus.
Kalzium-Pyrophosphat (Kalkgicht, Chondrokalzinose) - Bei Stoffwechselstörungen (Diabetes, Gicht), lokalisiert in bradytrophen Geweben (Menisken), doppelbrechend.
Kalkspritzer
Bei schwerer Pankreatitis: Freigesetzte Lipasen spalten Fette im Bauchraum in Glyzerin und Fettsäuren. Fettsäuren fangen Kalziumionen ein.
Bindegewebsveränderungen
Kollagen
Kollagentypen:
I - Knochen, Sehnen, Muskel, Gefäße
II - Knorpel
III - Retikulin
IV - Basalmembran
I, II und III interstitielle Typen
Störung der Kollagensynthese
Skorbut
Osteogenesis imperfecta (Kollagen I)
EHLERS-DANLOS-Syndrom (EDS)
Störung der Kollagenvernetzung
EHLERS-DANLOS Typ V (Kollagen III)
Morbus WILSON (Kupferspeicherkrankheit)
Dornenkollagen : Vermehrter Proteoglycananteil
Asbestfasern : Verminderter Proteoglycananteil, z.B. bei arthrotischem Gelenkknorpel (Demaskierung der Kollagenfasern)
Störung der Kollagenzusammensetzung
Kollagen I vermehrt : Atherosklerose, Sklerose, Fibrose
Störung des Kollagenabbaus
Hypertrophe Narben
Kollagenosen
Kollagenosen haben primär nichts mit Kollagenstoffwechsel zu tun, die Kollagenschäden entstehen erst sekundär.
Ursachen: Chronisch-rezidivierende Autoimmunerkrankungen (SLE, Dermatomyositis, Morbus WEGENER, CP).
Folgen: Generalisierte Bindegewebsveränderungen, fibrinoide Nekrose
Proteoglykane
Aufg.:
Organisation der Interzellularsubstanz des Bindegewebes
Gefäßpermeabilität
Mechanischer Schutz der Zelle vor Zerquetschung
Komplexierungsstörung
Mukoide Degeneration -> Wasserbindung -> Gewebsschwellung
Ursachen: MARFAN-Syndrom, idiopathische Medianekrose ERDHEIM-GSELL
Synthesestörung
Erkrankungen: Multiple epiphysäre Dyplasie, Chondrodystrophie
Folge : Zwergwuchs
Sekretionsstörung
Erkrankung: Mukoviszidose (Chlorid-Kanal CFTR defekt)
Zelltod
Apoptose
„Programmierte Zelltod“
Ursachen:
Freisetzung von Cytochrom C aus Mitochondrien oder Bindung von Fas-Ligand an den Fas-Ligand-Rezeptor
Genetisch induzierter Zelltod
Aktiver, energieverbrauchender Prozess der Zelle („Suizidprogramm“).
Mikro: keine Entzündungsreaktion, Beginn mit Kernpyknose, später Apoptose-Körperchen
Bsp.: Abtötung autoreaktiver T-Lymphozyten im Thymus, i. R. d. Embryonalentwicklung
Nekrose
Nekrose ist das intravitale Absterben von Zellen
Mikro:
(nach Ablauf der Manifestationszeit!)
Homogenisierung des Zytoplasmas
Azidophilie, Eosinophilie
Kernpyknose, -lyse, -rhexis
Verlust zellspezifischer Parameter (z.B. Querstreifung beim Herzinfarkt)
Entzündungsreaktion
Formen:
Gruppenzellnekrosen - Bsp.: Tubulusnekrosen bei der Schockniere
Koagulationsnekrose - Eiweißdenaturierung, Verfestigung, Narbenbildung, Bsp.: Anämische Infarkte in eiweißreichen Organen (Herz, Niere, Milz), Säureverätzungen
Kolliquationsnekrose - Verflüssigung, Pseudocysten statt Narben, Bsp.: Infarkt in eiweißarmen, fettreichen Organen (Gehirn), Laugenverätzungen
Enzymatische Fettgewebsnekrose - Bsp.: Pankreatitis: Die freigesetzten Lipasen setzten aus dem Fettgewebe z.B. des Mesenteriums Fettsäuren frei, die mit Calzium Kalkseifen bilden.
Traumatische Fettgewebsnekrose
Käsige Nekrose - Bsp.: Tbc (Epitheloidzelliges Granulom mit Langhans-Riesenzellen und zentraler käsiger Nekrose)
Fibrinoide Nekrose - Keine echte Nekrose, Entstehung im Bindegewebe oder in der glatten Muskulatur,
Makrophagenreaktion (Histiozyten), Bsp.: Autoimmunerkrankungen (CP, M. Wegener).
Gangränöse Nekrose
Trockene Gangrän - Oft oberflächlich
Feuchte Gangrän - Fäulniserreger (Anaerobier)
Hämorrhagische Nekrose - Nekrose mit Einblutung, Bsp.: Hämorrhagische Pankreatitis
thumb|Myokardinfarkt 7.Tag, Sektionspräparat, H&E-Färbung. thumb|Traumatische Nekrose. thumb|Gangrän bei pAVK.
Entzündungspathologie
Eine Entzündung ist eine Gewebsabwehrreaktion gegen lokale Schädigungen.
Einteilung:
Spezifische Entzündung - Entzündungsmanifestationen, die für eine Erkrankung typisch sind z.B. Tbc, Sarkoidose
Unspezifische Entzündung
Ursachen:
Mikroorganismen
Bakteriell -> Eher eitrige, d.h. granulozytäre Entzündung
Viral -> Eher seröse, lymphoplasmazelluläre Entzündung
Mechanisch
Thermisch
Chemisch
Ionisierende Strahlen
Ablauf:
Schädigung
Gefäßreaktion, erhöhte Gefäßpermeabilität (Schwellung), Thrombosierung (Auskopplung vom Blutkreislauf)
Granulo-monozytäre Reaktion
Lympho-plasmazelluläre Reaktion und Granulationsgewebe
Kollagenfaserbildung, Vernarbung
Formen:
Serös - Bsp.: Rhinitis, virale Infektionen
Fibrinös - Bsp.: Fibrinöse Perikarditis
Eitrig (purulent, granulozytär)
Infektiös - Meist bakteriell
Abszess - Abgekapselter Eiterherd in einem nicht präformierten Hohlraum
Empyem - Eiterherd in einer präformierten Körperhöhle
Phlegmone - Sich diffus ausbreitende eitrige Entzündung
Steril - z.B. Pyoderma gangraenosum, Psoriasis pustulosa
Hämorrhagisch - Bsp.: Hämorrhagische Enterokolitis
Nekrotisierend - Bsp.: Verätzung
Putride gangräneszierend - Bsp.: Gasbrand
Klassische Entzündungszeichen:
Dolor - Schmerz
Calor - Überwärmung
Rubor - Rötung
Tumor - Schwellung
Functio laesa - Funktionseinschränkung
Entzündungsmediatoren:
Chemotaxis - C5a, Leukotrien B4, Bakterienprodukte
Fieber - IL-1, TNF, PG
Gewebsschädigung - O2-Radikale, lysosomale Enzyme, Proteasen
Permeabilitätserhöhung - Histamin, C3a, C5a, Bradykinin, Leukotriene, PAF
Schmerz - PG, Bradykinin
Vasodilatation - PG
thumb|Abszess am Oberschenkel.
Systemische Entzündungsreaktion
Akute-Phase-Reaktion bzw. SIRS (systemic inflammatory response syndrome)
Sepsis = SIRS mit Nachweis einer Infektion
SIRS ist eine sterotype unspezifischen Immunreaktion des Organismus auf Gewebsschädigungen (Verletzungen, operative Eingriffe, Infektionen, Verbrennungen). Bei Dekompensation wird die inflammatorische Kaskade zum Selbstäufer und kann nicht mehr gestoppt werden (circulus vitiosus).
Enzündungsmediatoren
Endothelzellen, Fibroblasten und Gewebsmakrophagen im geschädigten Gewebe setzen Entzündungsmediatoren frei, z.B. IL 1, IL 6, TNF-α, Transforming Growth Factor-β (TGF-β), IF-γ, Epidermal Growth Factor (EGF), Leukozyten induzierender Faktor (LIF) u.a., die einerseits für lokalen Effekte verantwortlich sind und andererseits in Anwesenheit von Cortisol die Leber zur vermehrten Synthese der etwa 30 verschiedenen Akute-Phase-Proteine stimulieren, deren Konzentration innerhalb von 6-48 Stunden nach dem schädigenden Ereignis auf das zwei- bis eintausendfache zunimmt.
Akute-Phase-Proteine
Aufgabe:
Lokalisierung der Entzündung
Verhinderung der Ausbreitung
Unterstützung des Immunsystems bei der Sanierung des Entzündungsherdes
Beispiele für Akute-Phase-Proteine:
Fibrinogen -> lokale Thrombusbildung im Entzündungsgebiet -> Erreger werden nicht weiter in die Blutbahn ausgeschwemmt.
α1-Antitrypsin und α-Antichymotrypsin -> reduzieren als Anti-Proteasen die Gewebsschädigung.
C-Reaktives-Protein -> Opsonierung
Saures Alpha1-Glykoprotein
Haptoglobin
Coeruloplasmin
Komplement-C3
Plasminogen
Transferrin
Stresshormone
Weiterhin werden die klassischen Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, sowie weitere Hormone (ADH, Aldosteron) freigesetzt. Diese Hormone dienen u.a. der Kreislaufstabilisierung durch Vasokonstriktion, Natrium- und Wasserretention (ggf. Zentralisation) und der Energiebereitstellung (Lipolyse, Glykogenolyse, Glukoneogenese).
Bakterielle Zellwandprodukte (bei Sepsis, bes. LPS gramneg. Keime)
bakterielle Zellwandprodukte ->
-> Komplementaktivierung und
-> primäre Mediatoren (TNF,IL1,IFN..) -> Leukozytenaktivierung -> sekundäre Mediatoren (PAF, Eicosanoide, IL)
=> Aktivierung von PMN -> Kapillar- und Endothelschäden -> Volumenverlust ins Interstitium
-> ACTH/Endorphine -> Gerinnungsaktivierung -> Aktivierung d. Kallikrein-Kinin-Systems -> Vasdodilatation, Endothelschäden -> absoluter und relativer Volumenverlust
==>> Schock, MOV, DIC
===>>> Tod
Klinische Symptome:
Fieber > 38 °C oder < 36 °C
Herzfrequenz > 90/min
Tachypnoe > 20/min oder Hyperventilation mit pCO2 < 4,3 kPa (33 mmHg)
Leukozytose (> 12.000/μl) oder Leukopenie (< 4.000/μl) oder Linksverschiebung (d. h. > 10 % unreife Leukozytenformen)
bei Säuglingen oft unspezifisch!
Schock
Der Schock ist Ausdruck einer Systemerkrankung und definiert als ein Missverhältnis zwischen 02-Bedarf und 02-Angebot an die peripheren Gewebe.
Schockformen:
Kardiogener Schock - Ursachen: Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, hypertensive Krise
Hypovolämischer Schock (absoluter Blutvolumenmangel)
Flüssigkeitsverluste - Ursachen: Hitzekollaps, Verbrennungen, Diarrhoe und Erbreche.
Blutverluste
Distributiver Schock (relativer Blutvolumenmangel durch Vasodilatation)
Septischer Schock (Sepsis)
Anaphylaktischer Schock
Neurogener Schock - Ursachen: psychisch, Verletzungen, neurologische Erkrankungen, Vergiftungen
Spinaler Schock - SF des neurogenen Schocks bei Querschnittslähmung
Obstruktiver Schock - Störung der Blutzirkulation durch Verschluss von Innen oder Kompression von Außen. Ursachen: Perikardtamponade, Perikarderguss, Lungenembolie, Spannungspneumothorax, Vena-cava-Kompressionssyndrom, Thrombose
Entwicklungsstörungen
Allgemeine Entwicklungsstörungen
Gametopathien (siehe im Buch Klinische Humangenetik)
Autosomale Trisomien
Trisomie 13 - Pätau-Syndrom
Trisomie 18 - Edwards-Syndrom
Trisomie 21 - Down-Syndrom
Gonosomale Trisomien
XXY - Klinefelter-Syndrom
Monosomien
X0 - Ullrich-Turner-Syndrom
Triploidien
Blastopathien
Doppelmißbildungen
Symmetrisch: Siamesische Zwillinge
Assymetrisch: Autosit und Parasit (z.B. Steißbeinparasit)
thumb|Illustration aus den Nürnberger Chroniken von Hartmann Schedel (1440-1514)
Embryopathien
Entscheidend ist der Zeitpunkt und das Ausmaß des Schädigung, die Art der Noxe ist weniger bedeutsam.
Fetales Alkoholsyndrom (FAS, Alkoholembryopathie) - Weblink: Fasworld.de
Rötelnembryopathie
Strahlenembryopathie
Thalidomidembryopathie
Fetopathien
Alkohol
Röteln, Listerien, CMV, Lues, Toxoplasmose
Diabetes der Mutter
Morbus haemolyticus neonatorum (Kernikterus, Hydrops congenitus)
Minderwuchs
Genetische Variante
Proportioniert
Z.B. Pygmäen
Kongenitale Skelettdysplasien (meist dysproportioniert)
Osteogenesis imperfecta (Kollagen I)
Achondroplasie (aut.-dom., Neumut., enchondrale Ossifikation)
Thanatophore Dysplasie (enchondrale Ossifikation, letal)
Achondrogenesis I und II (aut.-rez., letal)
Erworben
Rachitis (Vitamin D-Mangel)
Riesenwuchs
Hypophysärer Riesenwuchs (STH-produzierendes Adenom bei noch offenen Epiphysenfugen)
Akromegalie (nach Epiphysenschluss)
Regeneration
Die Regenerationsfähigkeit verhält sich reziprok zur Gewebedifferenzierung.
Physiologische Regeneration
Einmalig: Milchgebiss
Zyklisch: Endometrium
Dauernd: „Mausergewebe“, z.B. Endothel, Epidermis, hämatopoetisches System, Spermatogenese
Pathologische bzw. reparative Regeneration
Vollständig: Restitutio ad integrum.
Unvollständig: Defektheilung mit Bildung von Ersatzgewebe (Narbe).
Wundheilung
Phasen:
Exsudationsphase (seröses Exsudat, Antikörper, Fibrin, Plasmafaktoren)
Resorptionsphase (Immunzellen)
Proliferationsphase (Fibroblasten, Myofibroblasten, Kapillareinsprossung (Granulationsgewebe), Epithelialisierung)
Reparationsphase (Bildung extrazellulärer Matrix, Kollagen) -> Narbe (nach 3 Monaten volle Belastbarkeit)
Formen der Wundheilung:
Primäre Wundheilung (per primam, p.p.) - Frische, saubere Wunde, adaptierte Wundränder - rasche Heilung, geringe Narbenbildung
Sekundäre Wundheilung (per secundam, p.s.) - Ältere, offene, infizierte Wunden - Heilung aus der Tiefe, längere Heilungsdauer, Narbenbildung
Störungen:
„Wildes“ Fleisch : Überschießendes Granulationsgewebe
Narben-Keloid : Hypertrophische Narbe bei überschießender Bindegewebsbildung
thumb|Defektheilung mit überschießender Narbenbildung nach schwerer Verbrennung. thumb|Primäre Wundheilung, Pyloromyotomie-Narbe 30 Std. nach OP.
Knochenheilung nach Frakturen
Arten der Knochenheilung:
Primäre/direkte Knochenheilung (nur bei anatomischer Reposition und Ruhigstellung, Osteosynthese) : direkte knöcherne Überbrückung des Frakturspalts (Osteoklasten bohren sich in den gegenüberliegenden Knochen, Osteblasten füllen die verbindenden Kanälchen wieder auf).
Sekundäre/indirekte Knochenheilung (bei konservativer Frakturbehandlung) : Frakturhämatom -> Kallusbildung (bindegewebige Organisation) -> Faserknochen -> Lamellenknochen
Störungen:
Pseudarthrose - Bindegewebige Überbrückung des Frakturspalts. Hypertrophe Pseudarthrose durch mangelnde Ruhigstellung, atrophe Pseudarthrose durch mangelnde Versorgung.
Frakturkrankheit, SUDECK-Dystrophie - Lokale Atrophie und Schrumpfung von Muskeln, Knorpel, Knochen, Gelenkkapsel und Bandapparat in der Nähe der Fraktur durch chronische Störungen der Trophik (Mikrozirkulation, Innervation).
VOLKMANN-Kontraktur - Ischämische und/oder neurogene Kontraktur der Armmuskulatur nach inadäquat versorgter Humerusfraktur mit Kompression der A. brachialis, des N. ulnaris, des N. medianus oder anderer Strukturen. Nekrose und Atrophie der Unterarmmuskulatur, besonders der Flexoren, die Hand befindet sich häufig in Krallenhandstellung.
Osteomyelitis - Bakterielle Entzündung des Knochenmarks, insbesondere bei offenen Frakturen zu erwarten.
Nervenheilung
Periphere Nerven können heilen, da sich jede Schwannsche Gliazelle in zahlreichen Windungen um jeweils nur ein Axon wickelt und nach Absterben des Axons die Axonhülle stehen bleibt. Im ZNS isolieren Oligodendrozyten gleichzeitig zahlreiche Axone, hier ist keine Heilung möglich.
Verletzung mit Durchtrennung des Axons -> WALLER'sche Degeneration des peripheren Axonteils -> proximales Axon wächst wieder in die stehengebliebende periphere Axonhülle (ca. 1mm/Tag). Voraussetzung: Genaue Adaptation, z.B. durch Nervennaht.
Störungen:
Neurom - Bei Amputationsverletzungen oder nicht adaptierten durchtrennten Nerven wachsen die Axone unkontrolliert aus und bilden schmerzempfindliche Nervenfaserknoten.
Tumorpathologie
Gutartige und bösartige (Krebs) Tumoren sind quasi der Preis für die Regenerationsfähigkeit der Gewebe. Es handelt sich dabei um Ansammlungen von Zellen mit überschießendem und unkontrollierten Wachstum.
Tumorklassifikation
Typing : Histologischer Typ (welches Ursprungsgewebe ahmt der Tumor nach)
Grading : 3 Malignitätsgrade (gegenläufig zum Differenzierungsgrad)
Staging : Ausbreitung (TNM-Schema)
Einteilung der Tumoren nach Dignität
Benigne - Verdrängend wachsend, langsam wachsend, oft abgekapselt, Organgrenzen respektierend, Ausdifferenzierung der Zellen, keine Metastasenbildung.
Maligne - Infiltrativ-invasiv wachsend, rasch wachsend -> Nekrosen, unreife, atypische Zellen, Metastasen.
Semimaligne - Lokal destruierend, selten Metastasen bildend.
Kriterien der Malignität
Makroskopisch: Infiltrierend/diffus wachsend
Histologisch: Nekrosen, Kapillarisierung (Neoangiogenese), Aufhebung der normalen Histologie.
Zytologisch: Polymorphie, basophiles Cytoplasma, erhöhte Kern/Plasmarelation
Nukleär: Polymorphie, Polychromasie, Hyperchromasie, Aneuploidie, (vergrößerte) Nukleolen, vermehrt Mitosen, atypische Mitosen, erhöhter Proliferationsindex (Ki-67 = MIB-1).
thumb|Adenokarzinom des Pankreas. Links unorganisiert angeordnete Tumorzellen mit überlappenden Kernen und auffälliger Form- und Größenvariation. Rechts gesundes flaches Gangepithel aus uniformen Zellen („Honigwabenmuster“). FNA. thumb|Mitose einer Lymphomzelle. thumb|Ein
muzinöses Adenokarzinom des Colon ascendens (links), das aus einem villösen Adenom (rechts) hervorging.
Kanzerogenese
Mutagene:
Chemikalien
Aromatische polyzyklische Kohlenwasserstoffe: Benzpyren, Anthrazen, Tabakrauch, Abgase
Aromatische Amine: Anilin, Aflatoxin (Aspergillus flavus), Benzidin, Benzol, Epoxide, Nitrosamine
Pharmaka (Zytostatika)
Viren: Virale Onkogene v-onc (Physiologische Protoonkogene (c-onc), zB. c-erb oder Bcl2, die durch Virus-DNA-Insertion verändert werden), Bsp.: HPV 16, 18 Zervixkarzinom
Ionisierende Strahlung
Chronische Entzündungen (Colitis ulcerosa)
Präkanzeröse Konditionen (XP, FAP, HNPCC u.a.)
Synkanzerogenese: Mutagene können sich bezüglich einer bestimmten Tumorentität additiv, überadditiv oder multiplikativ zueinander verhalten. Bsp.: Das Risiko für ein Bronchialkarzinom wird durch Asbestexposition 5x erhöht, durch Rauchen 10x. Asbest und Rauchen verhalten sich beim BC multiplikativ, das Risiko für einen Asbestexponierten Raucher ein BC zu entwickeln liegt also 50fach höher als beim nicht-rauchenden Bevölkerungsdurchschnitt!
Durch genetische Mutationen (ein Allel betroffen) kann die individuelle Anfälligkeit erhöht sein!
Wichtige Mutagene und Risikofaktoren nach Organsystemen:
Atemwege:
Nasen und NNH: Eichen- und Buchenholzstäube, Nickelverbindungen, Zinkchromat
Rachen: HPV, Rauchen, Alkohol
Larynx: HPV, Asbest, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH)
Lunge: Rauchen, Passivrauchen, Radon, aromatische Amine, Arsen, Asbest, Beryllium, Bischlordimethylether, Cadmiumverbindungen, chromhaltiger Staub, Hartmetalle (Wolframkarbid, Cobalt), Faserstäube, ionisierende Strahlen, Monochlordimethylether, Nickelverbindungen, Nitrosamine, PAH, Teer, Zinkchromat, Quarzstaub, Senfgas, Thorium, Uran
Pleura: Asbest
Seröse Häute (Pleura, Peritoneum, Tuncica vaginalis, Perikard): Asbest
MDT:
Magen: Helicobacter pylori, Nitrosamine
Darm: Faserarme Ernährung, Nitrosamine, Adipositas
Leber: Arsen, Vinylchlorid, chronische Hepatitis B und C
Gallengänge: Leberegel (Clonorchis, Opisthorchis)
Harnwege: 4-Aminodiphenyl, Benzidin, 4-Chlor-o-Toluidin, 2-Naphthylamin, Azofarbstoffe, Bilharziose, Arsen, Nitrosamine
Haematopoetisches System: Benzol, ionisierende Strahlen, Trisomie 21
Haut: UV-Licht, Arsen, Teer, ionisierende Strahlen
Genotoxine erhöhen die Inzidenz maligner Tumoren, sie vorverlagern den Erkrankungszeitpunkt (= Verkürzung der Latenzzeit) und sie erweitern das Tumorspektrum in einem Gewebe.
Mechanismen:
Punktmutationen: Basenaustausch, Addition, Deletion
Translokation (zB. t9/22 -> Philadelphia-Chromosom Bcr-Abl)
Amplifikation
Folgen:
Aktivierung von Protoonkogenen c-onc, die physiologisch vorkommen und für an der Proliferation beteiligte Gene kodieren, zB. Wachstumsfaktoren, Wachstumsfaktorrezeptoren, Tyrosinkinasen u.a.
Abschaltung von Tumorsupressorgenen, zB. DNA-Reparaturgene, Cycline
Formale Pathogenese:
Initiation - Initialer DNA-Schaden, Mutation
Latenz - Bis zu Jahrzehnten!
Promotion - Weitere Mutationen, Hormonwirkung
Progression - Entartung
Letztlich entsteht ein Tumor nicht von heute auf morgen, sondern die Zellen entarten über zahlreiche Zwischenschritte, bei denen diverse Gene an- und abgeschaltet werden. Bsp.: Adenom-Karzinom-Sequenz bei Darmkrebs unter Beteilung des Oncogens c-Ki-ras und der Tumorsupressorgene p53, APC, DCC u.a.m. Betroffen sind besonders Gewebe mit hoher regeneratorischer Aktivität (Epithel -> Karzinom, Knochenmark/Immunsystem -> Leukämie, Lymphome). Die Zunahme der Zellteilungen durch die Entartung beschleunigt dabei die Anhäufung von Mutationen im Sinne eines Circulus vitiosus und die Entstehung verschieden gut angepasster Zellklone, was den Tumorzellen einen Selektions- und Wachstumsvorteil gegenüber den körpereigenen Abwehrmechanismen und Geweben beschert.
Invasion
Abfolge:
Orientierung (Lamininrezeptoren)
Lokale Proteolyse (Cathepsin D, Kollagenasen)
Dissoziation - Die Krebszelle zieht die Adhäsionsmoleküle ein, kann den Zellverband verlassen, Verlust der Kontaktinhibition)
Lokomotion (Migration)
Metastasierung
Abfolge:
Infiltration - Einwachsen in umliegende Gewebe
Invasion - Eindringen in Blut- und Lymphwege
Disseminierung (lymphogen, hämatogen) - Verteilung im Organismus
Arrest im Zielorgan - Adhäsion an Rezeptoren oder Oberflächenmoleküle oder Steckenbleiben von Tumorzellemboli im Kapillarbett.
Reinvasion - Einwachsen ins Zielorgan
Angiogenese - Der Tumor bildet angiogenetische Wachstumsfaktoren, die das Wachstum neuer Gefäße stimulieren.
Anschluß an Arteriolen
Arterialisierung des Tumors (keine Venenbildung!)
Metastasierungswege:
Lymphogen - Über die Lymphwege
Hämatogen - Über den Blutweg (direkt oder erst lymphogen und dann über den Angulus venosus Eintritt in die Zirkulation)
Kanalikulär - Entlang seröser Häute
Per continuitatem - Direkt durchwachsend
Metastasierungstypen:
Cava-Typ : Organ -> Lunge
Arterieller Typ : Lunge -> Körper
Pfortadertyp : GIT -> Leber
Paravertebraler Venenplexus-Typ : Organ -> Wirbelsäule (Mamma-, Prostata-, Ovarial-Ca)
Cavitär : Organ -> Pleura, Peritoneum, Pericard
Lymphogen-hämatogen : Lymphgefäß -> Ductus thoracicus -> Venewinkel -> Blutbahn
Folgen der Tumorerkrankung
Kompression umliegender Strukturen
Stenosierung
Ulzeration
Gefäßarrosion
Fistelung
Nekrose
Abflussstörungen
Anämie (Ursachen: Chronische Blutung, Hämatopoesehemmung durch Tumorfaktoren, Knochenmarksverdrängung durch Metastasen, AIHA)
Gewichtsverlust
Paraneoplastische Syndrome (U: Entstehen indirekt durch vom Tumor freigesetzte Zerfallsprodukte und hormonähnliche Substanzen an primär nicht betroffenen Organen und Autoimmunphänomene (Kreuzantigenität)) Bsp.:
Hautveränderungen (Akanthose, Acanthosis nigricans maligna, Hyperkeratose, Dermatomyositis, Bullöses Pemphigoid)
Hämatologische Veränderungen (Anämie, leukämoide Reaktionen, Polyzythämie, Thrombosen, Nichtbakterielle thrombotische Endokarditis NBTE)
Endokrinopathien (M. Cushing (ACTH), Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH), Hyperkalzämie (PTH), Hypoglykämien (Insulin), Karzinoidsyndrom (5-HT, Histamin, Bradykinin), Polyzythämie (EPO))
Myasthenia gravis (bei Thymomen)
Paraneoplastische Kleinhirnatrophie, Polyneuritis
Glomerulonephritis
Spontane Tumorregression
Zerstörung von Tumorgewebe durch Makrophagen, NK, CD8-Zellen, AK
(durch Kreuzantigenität auch Autoaggressionserkrankungen)
Spontanremission
Vollständige oder teilweise, vorübergehende oder dauerhafte Rückbildung sämtlicher oder einiger Aktivitätsmerkmale einer bösartigen Erkrankung, ohne Behandlung oder unter einer Behandlung, wo dies nicht zu erwarten gewesen wäre. Nicht unbedingt gleichbedeutend mit Heilung (Spontanheilung)!
Häufigkeit: 1:60.000 bis 1:100.000, Dunkelziffer!
In mehr als der Hälfte der Fälle betrifft die Spontanremission folgende Tumore:
Malignes Melanom, malignen Lymphom, kindliche Neuroblastome, Nierenzellkarzinom
Tumormarker
Dienen hauptsächlich der Verlaufskontrolle und Rezidivfrüherkennung., einige auch zum Screening (PSA) und zur histopathologischen Diagnose (Immunhistochemie).
Onkofetal
AFP
CEA
Hormone
HCG (Trophoblasttumor)
Kalzitonin (C-Zell-Karzinom)
Katecholamine (Phäochromozytom)
Isoenzyme
Saure Prostataphosphatase
Neuronen spezifische Enolase (NSE)
Glykoproteine
CA 125
CA 19-9
CA 15-3
Intermediärfilamente
Keratin (Epithel)
Vimentin (Bindegewebe)
Neurofilamente (Nervenzelle)
Desmin (Muskel)
Aktin
Leukozytenantigen
Spezifische (Glyko)Proteine
Ig (Plasmazelltumoren)
PSA (Prostatakarzinom)
Thyreoglobulin (Schildrüsenkarzinom)
Weblinks
http://focosi.altervista.org/pathohomoprocess_regressive.html#degenerations